Die aus Kentucky stammenden CunninLynguists, bestehend aus den Rappern Deacon The Villain und Natti sowie dem Produzenten Kno, veröffentlichen mit "Strange Journey Volume One" ihre neue CD bestehend aus bisher unveröffentlichten Remixen, Kollaborationen sowie komplett neuen Songs.
Hi, Deacon, Kno & Natti. Lasst uns als erstes ein wenig über Deutschland reden: Wie findet ihr es hier?
Deacon the Villain: Deutschland ist klasse.
Natti: Ja, das Publikum ist super.
Deacon the Villain: In Deutschland zu touren kann schwer sein, denn es sprechen nicht sehr viele Leute Englisch hier, und wir sprechen kein Deutsch. Ansonsten gefällt es mir aber sehr hier. Letztes Jahr waren wir in fünf verschiedenen deutschen Städten und dieses Jahr haben wir noch viel mehr deutsche Städte besucht. Ich habe also echt eine Menge von Deutschland gesehen.
Lasst uns nun ein wenig über eure neue CD "Strange Journey Volume 1" reden. Auf der CD gibt es den Song "Don’t Leave", wo ihr von den schlechten Seiten eurer Karriere berichtet. Zum Beispiel müsst ihr eure Familie lange alleine lassen, wenn ihr auf Tour seit. Habt ihr aufgrund dieser harten Seiten jemals daran gedacht, eure Rapkarrieren aufzugeben?
Natti: Naaaah, ans Aufgeben habe ich nie gedacht. Es zieht dich allerdings schon ein wenig runter.
Deacon the Villain: Es fordet mich heraus, das Beste aus meiner Zeit zuhause zu machen. Es hilft mir, Prioritäten zu setzten und mich auf das Wichtige zu konzentrieren. Während des Tourens habe ich viel Zeit, darüber nachzudenken.
Ein anderer, weniger ernster Song, über den ich reden möchte ist "Nothing But Strangeness", in welchem ihr von den lustigen und verrückten Erinnerungen des Tourens erzählt. Was war euer lustigstes Erlebniss beim Touren?
Deacon the Villain: Wie wäre es mit dem Mädchen aus dem Moulin Rouge von letzter Nacht, die sich für 50 Euro um uns alle kümmern wollte? [lacht]
Natti: Ja, das war lustig.
Deacon the Villain: Oder wie wäre es, mit der Geschichte, als wir zur deutschen Grenze kamen und sie uns sagten, dass wir nicht reinkommen dürfen, weil wir die falschen Reifenprofile haben?
Natti: Yeeeeeeah, erzählt ihm schnell die ganze Story!
Kno: Ganz schnell, long story short: Wir waren in der Schweiz und in Deutschland. Wir hatten bereits in beiden Ländern Shows. Wir versuchten, von der Schweiz zurück nach Deutschland zu kommen, an der Grenze sagten sie uns aber, dass wir nicht nach Deutschland können, weil wir die falschen Räderprofile an unserem Fahrzeug haben. Unsere Räderprofile zerstören anscheinend die deutschen Straßen, no good for Germany. [lacht] Also fragten wir uns: "Was sollen wir machen?" Wir können nicht nach Deutschland, also haben sie gesagt, wir sollen wieder zurück in die Schweiz. Die schweizerischen Grenzwärter sagten dann aber, dass wir auch nicht zurück in ihr Land können, da wir die falschen Räderprofile an unserem Fahrzeug haben. Wir dachten uns nur: "Wir sind doch verdammt nochmal schon hier! Wir waren schon in eurem Land! Wie sollen wir hier hingekommen sein?" Als wenn wir geschwebt wären und mitten auf der Grenze gelandet wären: Das ist nicht passiert! [lacht] Also fragten wir uns wieder was wir tun sollen. Wir konnten nicht weiter nach Deutschland und auch nicht umdrehen zur Schweiz. Dann erfuhren wir, dass es klug wäre, durch eine französische Grenze zu fahren, weil man dort nicht so streng kontrolliert wird. Schweizerische Grenzenwärter dagegen sind sehr streng, da die Schweiz kein Teil der Europäischen Union ist. Also fuhren wir einen riesigen Umweg durch Frankreich. Da hat es dann aber zum Glück geklappt … there you can have studs on your tires. [lacht]
Natti: Ich dachte schon, wir müssten auf der Grenze leben!
Kno: Immer vor und zurück fahren. Das Leben lang vor und zurück, vor und zurück. [alle lachen]
Natti: Das Leben lang im Van in Schlafsäcken übernachten und auf der Grenze leben.
Und das war auf der letzten Tour?
Kno: Ja genau, es war das letzte Mal, als wir hier waren, nicht dieses Mal.
Inzwischen seit ihr ja die bekanntesten Künstler des Qn5-Camps geworden. Auf eurer neuen CD sind viele Gastauftritte von verschiedenene Qn5-Künstlern, u.A. auch ein paar Solo-Tracks von ein paar Leuten aus dem Qn5-Camp wie z.B. Mr. SoS, Inverse, Substantial oder Tonedeff vertreten. Ist für euch schon der Zeitpunkt gekommen, wo ihr einen Schritt zurück gehen wollt und die Bühne für andere Qn5-Mitglieder räumen möchtet?
Deacon the Villain: Naaaaah, we always showing love to Qn5. Egal, ob sie mit uns auf Tour in Europa oder in den Staaten sind oder ob wir Songs für sie produzieren.
Kno: Was sie aus sich machen, ist komplett ihnen überlassen. Sie sollten in Zukunft noch mehr Material herausbringen, mehr Alben veröffentlichen. Der größte Unterschied zwischen uns und den anderen Jungs von Qn5 ist: Niemand von uns Dreien hat Tagesjobs, we make music for a living. Wir sind schon seit vielen Jahren dabei. Aber im Qn5-Camp macht sonst niemand Musik, um zu leben. Sie haben alle zusätzlich noch Tagesjobs. Bei einem zusätzlichen Tagesjob ist es für sie sehr schwer, das gleiche Output wie wir zu haben. Es ist eigentlich unmöglich. Allerdings liegt es auch nur an ihnen, was sie aus sich machen. Ich meine Stan [Anm. d. Rdk.: Substantial] ist gerade im Raum unter uns und macht den Soundcheck: Substantial, Tonedeff, PackFM, wir nehmen sie alle immer mit auf Tour. Aber wie gesagt, was sie letztendlich daraus machen, das ist komplett ihnen überlassen.
Eine Sache die ich mich oft frage ist: Basieren alle eure Texte auf persönliche Erlebnisse oder denkt ihr euch manchmal ein Szenario aus, um eure Texte interessant zu machen?
Deacon the Villain: Sowas wie "Hypnotized" vom neuen Album: That exacts scenario. Es ist ein Song über ein Girl, das so gut aussieht, dass es dich erschlägt, dass du nichtmehr klar denken kannst. Jeder hat diese Erfahrung gemacht: Wenn er ein Mädchen sieht, mit dem er zu gerne reden würde, weißt du?
Kno: Ich denke man kann bei unseren Songs schon feststellen, welche Songs textlich die wahrsten sind, auf welchen Songs wir nur über persönliche Erlebnisse reden. Wenn z.B einer von uns erzählt, wie arm er aufgewachsen ist und wann seine Mutter gestorben ist - das ist wahr. Du kannst dir denken: Das ist eine wahre Geschichte. Aber sowas wie "A Piece of Strange" [Anm. d. Rdk.: 2006, La Undergr. / Groove Attack] ist mehr ein Konzept-Werk, es ist Story-Telling.
Deacon the Villain: I mean, who is telling real stories? Wir wollen ja auch keine echten Namen benutzen!
Natti: Der "Brownie Song" war eine wahre Geschichte… [alle lachen]
Kno: Er ist fast gestorben!
Der erste mit einer Überdosis an Gras?! [lacht]
Natti: Yeah, I was quiet high. Ich hab zuviel Gras in die Brownies getan, I musste die Studio-Zeit mit Deacon canceln.
Deacon the Villain: Ich habe Stunden auf ihn gewartet. Dann hat er mich angerufen: "Ich fühl mich nicht so gut, Mann. Ich glaube ich kanns nicht schaffen zu kommen. Something’s coming over me." Am nächsten Tag habe ich wieder mit ihm geredet und dann sagte er: "Ich fühl mich immer noch nicht so gut. Ich hab zuviele Haschkeckse gegessen. Ich war so high, ich konnte mein Haus nicht verlassen, ich hatte zuviel Schiss…" [imitiert Nattis Husten]
Natti: Ich hatte Angst, mich ins Auto zu setzten oder irgendjemanden zu begegnen, denn ich war extreeeeeeemst high! Das war nicht gut! [lacht]
Deacon, du sagtest einmal, dass Nattis Verse auf "Hellfire" [Anm. d. Rdk.: aus "A Piece of Strange") so gut war, dass du deinen Verse umschreiben musstest. Ist es so, dass ihr euch gegenseitig animiert noch besser zu werden?
Deacon the Villain: Viele Verse von Natti haben mich dazu gebracht, meine Verse umzuschreiben.
Natti: Deacon ist ein echter Herausforderer, denn er hat so viele Punchlines. Lese oder höre ich die, denk ich immer nur "Ich brauch mehr Punchlines!". Nebenbei gesagt: Wir haben keine offensichtlichen Punchlines.
Deacon the Villain: Es braucht Zeit, die Punchlines zu verstehen.
Kno: Das ist der Grund, warum wir einen hohen Replay-Wert haben. Es ist wichtig, Wiedergabe-Wert zu haben! Stell dir jemanden vor, der sagt "Yo, Ich bin heiß wie Feuer!". [lacht] Das höre ich mir nicht noch einmal an. Feuer ist heiß, das wussten wir bereits. Bei uns musst du die Songs ein paar Mal hören, bist du manche Zeilen verstehst: It’s replay value.
Wie man ja weiß, hat Mr. SoS die CunninLynguists nach eurem zweiten Album "Southernunderground" [Anm. d. Rdk.: 2004, Smd Mcc-Hi / Sony BMG] verlassen, aber jetzt auf "Strange Journey Volume 1" ist er wieder mit einem Solo-Track namens "Die For You" vertreten. Ich weiß, dass ihr niemals aufgehört habt, mit ihm zu arbeiten, aber ich habe mal nachgedacht über eine CunninLynguists-Besetzung, bestehend aus Deacon, Kno, Natti UND Mr. SoS. Ist das möglich oder nicht?
Deacon: Auf einer Tour vielleicht.
Kno: Ich denke von einem künstlerischen Standpunkt aus kann es passieren, aber die Probleme, die mit SoS verbunden sind, haben mit der Arbeit als Gruppe zu tun. Ich denke, SoS ist pathetisch und gerne sein eigener Chef. Ich kann es passieren sehen, aber um ehrlich mit dir zu sein: Ich will das Geld nicht unbedingt unter 4 Leuten aufteilen. There are a lot of mouths to feed right here. Ich schmeiss ihn [Anm. d. Rdk.: sieht Natti an] eh aus der Gruppe, denn wir wollen das Geld unter zwei aufteilen. [alle lachen] Und dann starte ich solo durch und nehme mir das ganze Geld. [lacht] Nein, ehrlich, von dem rein künstlerischen Standpunkt kann ich die Sache mit SoS durchaus kommen sehen ...
Natti: Wir werden zwei CunninLynguists gründen. Einmal Ich und SoS und einmal Deacon und Kno.
Kno: Wie wäre es dann mit einem "z" am Ende? CunninLynguistzzzzz! [lacht]
Natti: Ja genau, und wir touren beide zur selben Zeit!
Deacon: CunninLynguists und CunninLynguistz. [lacht]
Gerade sehen wir es mal wieder: Ihr seit mehr so die lustigen Typen, obwohl eure Musik hauptsächlich ernst ist. Ist es so, dass … [Anm. d. Rdk.: Kno unterbricht]
Kno: Dieser Ort ist lustig. Ich weiß nicht warum aber ich möchte einfach rumspinnen. Just makes me goof around. [Anm. d. Rdk.: Kno läuft Grimassen ziehend und in gebückter Körperhaltung durch den Raum]
Natti: Nach der Show bin ich wieder ernst. Dead serious! [lacht]
Ist es so, dass der Witz für euch keinen Platz in der Musik hat?
Kno: Nenn mir einen Hip-Hop Klassiker, der Comedy-Rap ist… tick, tack, tick tack…Ich warte… Siehst du, so denken wir darüber. Nach den ersten beiden Alben haben wir gemerkt, dass so viele Leute unsere Musik hören, dass wir eine Stimme brauchen, die ewig lebt. Wenn etwas auf CD oder MP3 verewigt ist, solltest du einfach mehr daraus machen, als nur über Fürze und darüber wie toll du doch bist zu rappen. Es ist einfach ein Segen, Plattformen wie CDs oder MP3s zu haben. Wenn du also nur vom leichtfertigen Kram redest, dann verschwendest du dein Talent. Deswegen haben wir ein System: Wenn wir ein Album machen, ist es normalerweise eher ernster und seriös. The nature of the music is more serious. Und auf den Compilations und Mixtapes sind wir dann eher ein bisschen lockerer und zeigen unsere anderen Seiten. "Strange Journey Volume 1" hat ein paar von diesen weniger seriösen Songs.
Ja,"Hypnotized" oder "Never Come Down (The Brownie Song)" zum Beispiel.
Kno: Genau, Songs wie diese. Aber das nächste Album wird wieder ein bisschen seriöser. Wir versuchen, verschiedene Dinge zu machen. Die ernsten Songs nehmen wir lieber mit nicht so vielen Gästen auf. "Strange Journey" und "Sloppy Seconds" [Anm. d. Rdk.: Volume 1: 2003, Freshchest; Volume 2 La Undergr / Groove Attack] sind dafür da, mit vielen verschiedenen Leuten zu arbeiten und einfach Spaß zu haben, aber auf dem Album nehmen wir die Musik einfach ernst als Kunst.
Auf dem ersten Album habt ihr an manchen Stellen die Musik-Industrie oder Rap-Kollegen kritisiert, wenn ich da zum Beispiel an den Skit denke, der an "Fukinwichu" angehangen ist. [Anm. d. Rdk.: Die CunninLynguists machen sich dort ein wenig über die hauptsächlich belanglose Musik aus dem restlichen Süden, wie z.B Musik von Master P. lustig] Aber heute seid ihr völlig ruhig geworden, was diese Sache angeht. Was denkt ihr über ... [Anm. d. Rdk.: Kno unterbricht]
Kno: "Will Rap For Food" [Anm. d. Rdk.: 2005, Freshchest] was like tongue-in-cheek. Wir haben nicht richtig kritisiert, wir waren mehr so drauf: "Fuck that, machen wir einfach das, was heiß ist, um was zu verdienen, denn wir haben keine Kohle." Ich finde nicht unbedingt, dass wir uns auf den richtigen Songs lustig über die Musikindustrie gemacht haben. Wir gehörten nicht zu dieser Art von Gruppe. We’re not like: "Yeah, keep it real! Hip-Hop!"
Natti: Dieses Zeug ist doch wie ein totes Pferd zu schlagen!
Kno: It’s played-out!
Natti: Wenn du auf deinen Alben immer nur sagst: "Das ist verkehrt mit der Industire, dies ist verkehrt mit der Industrie", dann hörst du auf, ein Rapper zu sein und beschwerst dich nur noch.
Deacon the Villain: Es ist ein kleinkarriertes Ding, zu glauben, dass es diese Missstände nur in der Musik-Industrie gibt. Diese Scheisse ist einfach die Welt.
Kno: Es ist einfach langweilig. Diese Art von Rap ist langweilig.
Ich würde es lieben, wenn mehrere Rapper so denken würden.
Kno: Let it go. Don’t talk about what’s wrong with hip-hop, be what’s right with hip-hop! Macht gute Musik!
Kno, in einem Statement von dir in einem anderen Interview heißt es, dass eine neue CunninLynguists EP und LP nach "Strange Journey Vol. 2" kommen werden und dass diese Projekte wieder Konzept-Platten werden. Könnt ihr mir bereits weiteres über das Konzept erzählen?
Kno: Nein! Wir können nicht übers Konzept reden. Das ist eines dieser Dinge, über die ich nicht reden möchte, bis es fertig ist. It puts the idea in the air.
Natti: Die Leute werden es aufnehmen ...
Kno: ... und kopieren.
Deacon the Villain: Die Leute haben Erwartungen, wenn du ihnen versuchst zu erklären, wie etwas werden soll. Sie haben dann eine Vorstellung davon, wie etwas werden wird und wenn es nicht so wird, wie sie es sich vorstellen, beschweren sie sich.
Kno: Also wenn die Projekte fertig sind, will ich verkünden, wovon sie handeln. Wenn die LP und die EP fertig sind, werden wir Poster und Fotografien fertig haben. Es ist dasselbe wie mit "Strange Journey": Ich habe wirklich nicht viel darüber preisgegeben und wir haben keine Songs veröffentlicht, bis wir die dazugehörigen Fotografien hatten. Qn5 und Tonedeff scheinen leider besonders ein Problem damit zu haben, über ihr Material zu reden, bevor es fertig ist. Dann sind die Fans verärgert, weil sie sehr lange darauf warten müssen, wie zum Beispiel bei "Chico & The Man" [Anm. d. Rdk.: Kollabo-Album von Tonedeff und Kno] Tone und ich arbeiten jetzt schon seit 4 oder 5 Jahren an dieser Scheisse. Also habe ich meine persönliche Philosophie: Wir reden nicht über etwas bis es fertig ist. Wir arbeiten also weiter an der EP und der LP und beide werden 2010 veröffentlicht. That’s it.
Ihr habt ja schon mit vielen verschiedenen Künstlern gearbeitet: Von Immortal Technique über Devin the Dude bis HIN zu Masta Ace. Wen würdet ihr gerne in Zukunft als Gast auf euren Songs haben?
Kno: Lasst ihn uns testen ... Scarface?
Ahhh, ich würde es lieben!
[Anm. d. Rdk.: Jeder schlägt mit dem Interviewer ein]
Natti: Du bist nicht erbärmlich wie die letzten Interviewer!
Kno: Oder was ist mit Bun B?
Das wäre klasse.
Kno: So sieht's aus. Letzte Nacht sagten wir zu einem Typen: "UGK!" und der Typ hat gesagt: "Aaaaaah, von denen habe ich noch nie gehört." Ich dachte mir nur: "Komm schon, Junge! Wie siehts mit lebenden Legenden aus? Du kennst UGK nicht?" Jedenfalls würde ich gerne mit Scarface arbeiten.
Ich habe mal gelesen, ihr würdet sehr gerne mit Andre 3000 arbeiten.
Deacon the Villain: Ja, allerdings ist das auch ein ziemliches CunninLynguists-Klischee.
Natti: Ich möchte mit Suge Knight arbeiten! [alle lachen]
Kno: Ich würde gerne mit T.I., Brother Ali und deN Blue Scholars arbeiten.
Brother Ali würde wirklich sehr gut passen finde ich.
Kno: Ja. Jedenfalls gibt es viele Leute aus dem Underground und viele Leute aus dem Mainstream; mit denen ich gerne arbeiten möchte.
Dann bin ich mal gespannt, was passiert. Eine andere Sache, die mich sehr interessiert: Eure Arbeiten folgen ja oft einem Konzept, aber wie kommt ihr zu diesen Konzepten? Wie arbeitet ihr? Ist es so, dass ihr erst lange über ein Konzept nachdenkt und dann Tracks aufnehmt oder nehmt ihr erst ein paar Songs auf und merkt dann: "Oh, da könnten wir ja ein Konzept raus machen!?" Oder ist es komplett anders? Also: Wie arbeitet ihr?
Deacon the Villain: Es verläuft auf verschiedene Art und Weise. Meistens fängt es mit dem Beat und dem Konzept an, denn viele von Knos Beats kommen mit dem Konzept. Das liegt an der Auswahl der Samples, die er getroffen hat. Es kann schon ein Sample verarbeitet sein. Es ist mit dem Beat also meistens schon eine Richtung vorhanden, in die ein Song geht. Aber auch wenn am Anfang noch keine Richtung vorhanden ist: Kno kann wunderbar einen Hintergrund für ein Konzept erstellen. Er ist wirklich gut darin, etwas zu remixen, wie z.B auch Jay-Zs "Black Album". Diese beiden verschiedenen Wege gibt es meistens.
Kno: Bei "A Piece of Strange" hatten wir ungefähr drei Songs aufgenommen und wir merkten, dass sich dort ein Thema abspielte. Wir haben uns zusammengesetzt und gemerkt: "Das fühlt sich an wie ein Konzept-Album!" Bei den ersten drei Songs ließ sich eine solche Verbindung feststellen, dass wir die Story von der Mitte aus ausgebaut haben.
Alles klar, danke für diesen Einblick. Meine letzte Frage ist: Was ist euer Lieblingssong von der neuen CD und was ist der Lieblingssong von allen, die ihr jemals aufgenommen habt oder der Song, auf den ihr am stolzesten seid?
Deacon the Villain: Meine Lieblings-Songs und meine Lieblings-Künstler sind an jedem Tag andere. Aber von der neuen CD mag ich "Don’t Leave" sehr. "Hyponotized" habe ich auch immer sehr gemocht, denn ich finde es fühlt sich wie etwas völlig Neues an. Man hat diesen Sound von den CunninLynguists noch nicht gehört. Es klingt ein wenig nach Kynfolk. [Anm. d. Rdk.: Rapgruppe aus Kentucky] Just close to a laid back set style. Ich habe es sehr genossen, den Song aufzunehmen. Mein Lieblingssong überhaupt? Ich mag "The Light" aus "A Piece Of Strange" sehr, denn es war das erste Mal, dass wir mit einer kompletten Live Band gearbeitet haben und meine Mutter hat auf dem Song gesungen. Ich würde zwar nicht unbedingt sagen, dass der Song mein Favorit ist, aber es ist der Song, auf den ich am stolzesten bin.
Kno: Mein Lieblingstrack ist "So Live" aus "We Will Rap For Food". Nein, nicht wirklich. [lacht] Diese Scheisse ist wack. Mein Favorit von der neuen Compilation/CD/Album - wie immer du es nennen willst ...
Aber nicht "Mixtape" nennen, richtig?
Kno: Genau, nenne es kein gottverdammtes Mixtape! Jedenfalls würde ich wahrscheinlich sagen, dass "Don’t Leave" mein Favorit von der neuen CD ist. Ich mag den Song einfach richtig. Ich saß ungefähr drei Jahre an diesem Beat. Ursprünglich wollte ich Tonedeff und Ras Kass auf dem Beat rappen hören. Frag mich nicht warum. [lacht] Ras Kass war auf der Mega Show [Anm. d. Rdk.: Riesige Show mit allen Qn5-Künstlern] und ich dachte darüber nach, einen Track mit ihm zu machen. Aber dann habe ich gemerkt, dass Ras Kass ein Depp ist. Also wollten wir nichtmehr mit ihm arbeiten.
Deacon the Villain: Fake Gangsta. Dabei habe ich Ras Kass' Musik geliebt.
Kno: He was a straight asshole. Ich vermute das passiert, wenn du Shows mit Leuten machst, die du vorher nicht kanntest: Du findest ihre wahre Persönlichkeit heraus. Es kann all deine Träume zerstören. Du sagst zu jemanden: "Aaah du bist klasse!" und zurück bekommst du: "Halt die Klappe, Arschloch!" Dann denkst du nur noch: "Oooooooh, ich mag deine Musik nicht mehr!" [alle lachen] Wie auch immer, "Don’t Leave" ist denke ich mein Favorit. Die Tatsache, dass wir einen Song mit Slug gemacht haben, ist einfach spitze, Deacons und Nattis Verse mag ich sehr auf dem Song und ich mag den Beat. Ich hatte viel Spaß, den Song zu mixen und den Beat mit den Lyrics zu füllen. Von der Perspektive als Producer ist es wohl mein Favorit.
Natti: Mein Favorit vom neuen Album ist definitiv "Don’t Leave", nicht weit dahinter "Move". Am stolzesten bin ich auf den Song "Georgia" von "Dirty Acres" [Anm. d. Rdk.: 2007, Bad Taste Records]
Okay, das war's dann auch schon. Vielen Dank für das Interview, habt ihr noch irgendwas zu sagen?
Kno: Thank you for not making a face, when I said Scarface.
Natti: Keine sterilen, typischen Fragen, das war ein gutes Interview.
Kno: Ich hab schon drauf gewartet, dass du fragst: "Was ist der Unterschied zwischen dem europäischen und amerikanischen Publikum?"
Ich hab einige Interviews im Internet von euch gelesen und das hat ja wirklich jeder gefragt.
Kno: Ja, so gut wie jeder.
Deacon the Villain: Also, danke für deine Recherche. Das wissen wir zu schätzen.