Sage und schreibe 15 Jahre ist es nun schon her seit Devin, der wohl gelassenste Typ des Musik-Business, seine erste CD "Fadanuf Fa Erybody" mit seinen Kollegen Rob Quest und Jugg Mugg als Odd Squad auf dem texanischen Labelgiganten Rap-A-Lot Records veröffentlichte. Über die Jahre folgten fünf Solo-Alben, diverse Gruppen-Projekte und Zusammenarbeiten mit Größen des Raps wie Dr. Dre. Heutzutage gilt der Dude als eine, ja man könnte schon fast sagen, Underground-Legende. Aber die deutschen Bühnen wurden von ihm in all den Jahren nie betreten. So mancher Fan hatte wahrscheinlich schon fast die Hoffnung verloren, dass der Mann mit dem ganz eigenen Rapstil jemals nach Deutschland kommen würde... Doch im April 2009 war es endlich soweit: Auch die deutsche Fanbase konnte Devins Stories über Gras, Alkohol, Frauen und die kleinen Probleme des Lebens endlich einmal live erleben. Wir nutzten die Chance und trafen Devin mit dem Weed in der linken, dem Bier in der rechten Hand kurz nach seinem Auftritt in Münster, um ein wenig mit ihm zu plaudern.
"Ich dachte ich müsste den Deutschen erst einmal meine Songs geläufig machen, aber sie kannten alle meine Tracks bereits. Eine große Überraschung." Mit dem Mitgröhlen von Songs wie "Anything" oder "Doobie Ashtray" konnte das deutsche Publikum gleich ordentliche Pluspunkte bei Devin sammeln. Denn was der Dude wohl nicht wusste: Schließlich hat er auch in Deutschland so einige Anhänger, die seine Musik als einzigartig beschreiben würden. Doch nicht nur eingefleischte Rapliebhaber sondern jegliche Kritiker bewerten die Werke des Texaner oftmals als außerordentlich gelungen. So werden etwa Artikel über Devin mit der Überschrift "Your favorite’s rapper favorite rapper" geschmückt. Trotz dieser vielen lobenden Worte scheint Devin aber sehr auf dem Boden geblieben zu sein: "Ich gebe den Leuten die Musik, ich bekomme halt das Feedback von ihnen dazu. Ich weiß, dass ich mich in der Zukunft noch selber weiter verbessern kann."
Doch diese Zukunft ist weiterhin eine Zukunft ohne Devins Ex-Label Rap-A-Lot. Nach 14 Jahren Zusammenarbeit war für Devin 2008 die Zeit gekommen, neue Wege zu gehen und somit schloss er einen Ein-Album-Deal mit dem Independent-Label Razor & Tie ab, um dort sein aktuelles Album "Landing Gear" zu veröffentlichen. Doch warum eigentlich gerade Razor & Tie? "Razor & Tie hatten noch nie einen Hip-Hop-Künstler unter Vertrag. Für mich war es das erste Mal independent. Es war also eine wichtige Erfahrung für beide Seiten. Sie hatten kein großes Line-Up an Künstlern, also konnten sie sich voll darauf konzentrieren, mein Album herauszubringen. Die Mitarbeiter waren außerdem sehr cool."
Am exakt selben Tag, an dem "Landing Gear" über Razor & Tie veröffentlicht wurde, erschien jedoch noch eine weitere Devin-CD namens "Hi Life" über Rap-A-Lot Records, die unveröffentlichtes Material aus Devins Zeit auf Rap-A-Lot beinhaltete. Eine Platte, die so einige Leute verpasst haben. "Besser so", meint Devin lachend. Es schien wohl so, als wäre da jemand nicht ganz zufrieden gewesen mit dem Material, was Rap-A-Lot einfach so veröffentlichte. "Ich mag vielleicht 3 oder 4 Songs von "Hi Life". Ich hätte den Songs eine Chance gegeben, wenn ich weiter daran hätte arbeiten können. Das wäre super gewesen." Aber herrscht deswegen jetzt eigentlich ein schlechtes Verhältnis zwischen J. Prince, dem Labelboss von Rap-A-Lot Records, und Devin? Devin scheint die Sache so gelassen zu nehmen, wie es seine Musik ist: "Bezogen auf "Hi Life" habe ich mir nur gedacht: Rap-A-Lot muss ja auch weiter Musik rausbringen, sie müssen sich auch über Wasser halten. How they do their business is how they do their business. Es herrscht also jetzt keine dicke Luft zwischen uns. Alles ist gut."
Der Vertrag mit Razor & Tie ist also erfüllt, Rap-A-Lot ist Geschichte, "Landing Gear" ist einige Monate draussen. Satt an Informationen über Devins Vergangenheit waren wir jetzt allemal. Doch wie sieht es eigentlich mit der Zukunft und Gegenwart aus? An was arbeitet Devin eigentlich gerade? "Ein neues Solo Album!", bekommen wir euphorisch mitgeteilt. Doch nicht nur alleine, auch mit seiner Crew, den Coughee Brothaz, scheint Devin in letzter Zeit viele Stunden im Studio zu verbringen. Der Nachfolger des 2007er Coughee Brotha Album "Waitin’ On Our Turn" soll bald kommen. Und auch Solo-Projekte diverser Coughee Brotha Mitglieder scheinen das Licht der Welt demnächst zu erblicken. So ist eine neue Tony Mac-LP in Arbeit und auch das Duo 14K, welches zuletzt auf dem Track "I Need A Song" von Devins aktueller Platte zu hören waren, werden bald ihr Debut-Album "Wait No More" veröffentlichen. Die größte Überraschung für viele Coughee Brotha Fans scheint jedoch folgende Ankündigung zu sein: Rob Quest, das blinde Mitglied der Odd Squad, ist mit über 15 Jahren Erfahrung im Musikbusiness auf dem Buckel endlich bereit sein erstes Solo-Album unter das Volk zu mischen. "It’s on! About to be real real nice", verspricht uns Devin von Quests Debut. Klare Tatsache natürlich, dass viele dieser Coughee Brotha Projekte über Devins noch nicht lange bestehenden eigenen Label Coughee Brothaz Music erscheinen werden.
So viele neue Projekte klingen auch nach einer Menge Arbeit. Eine Menge Arbeit klingt nach einer Menge Stress. Kann, wenn soviel zu tun ist, denn auch mal der sonst so gelassene Devin Copeland, so Devin mit bürgerlichen Namen, in Hektik ausbrechen? "Vielleicht ganz selten, wenn ich im Studio bin, einen Blackout habe und mir einfach nichts einfällt. Aber eigentlich nicht." Weitaus öfter mit einem dieser Blackouts zu kämpfen, hätte Devin aber doch sicherlich ohne seine große Inspirationsquelle, dem Weed. Die Vorstellung, dass eines Tages jemand bei Devin vor der Tür steht und sagt: "Hör auf Gras zu rauchen, oder es passiert etwas furchtbar Schreckliches" löste bei dem Mann, der gutes "Reefer & Beer" so schätzt wie kein Zweiter, selbstmörderische Gedanken aus: "Ich würde nach meiner Pistole suchen", so Devin im Gelächter. Aber für alle, die keinerlei spaßige Übertreibung verstehen, hatte Devin natürlich auch noch eine zweite Antwort parat: "Wahrscheinlich würd ich denken, der Typ wäre ein Zeuge Jehovas und dann würde ich die Tür zu schlagen." Kein Wunder, dass bei sowas dann auch mal der sympathische Dude die Türen knallen lässt.
Die Laune weiter zu feiern war Devin während unseres Gespräches geradzu ins Gesicht geschrieben. Aber wäre die Antwort auf unsere letzte Frage, wann Devin uns in Deutschland denn wieder die Ehre erweist, gewesen: "In den nächsten 15 Jahren komm ich bestimmt Mal wieder", dann hätten wir ihn sicherlich nicht gehen lassen, um die Aftershow Party genießen zu können und ihn als Strafe mit Fragen an den Sessel getackert, bis wir rausgeflogen wären. So lange wollen wir nun wirklich nicht wieder warten. Zum Glück konnten wir nach der Antwort auf unsere finale Frage aber wieder aufatmen: "Am 21. August rum bin ich wieder in Deutschland. Wir haben das Datum schon festgelegt." Na dann: Wir freuen uns schon und wollen mal hoffen, dass es sich nicht um den August 2024 handelt.
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» Review zu "Landing Gear"
» Review zu "Waitin' To Inhale"
Geschrieben von Gordon Wüllner
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