Marc, in den letzten Jahren hat sich viel bei dir getan und verändert. Mittlerweile lebst du auch nicht mehr in Mannheim, sondern in Berlin. Fühlt sich die Hauptstadt inzwischen wie deine neue Heimat an oder hast du noch etwas Heimweh?
Berlin fühlt sich gut an, aber meine Heimat ist und bleibt die Brücke zwischen Ludwigshafen und Mannheim.
Hat sich deine Arbeit als Musiker durch den Umzug verändert bzw. vereinfacht? Immerhin befinden sich deine Produzenten so wie Raf Camora oder KD-Supier auch in Berlin.
Die Arbeit hat sich auf jeden Fall vereinfacht, da ich ein Mensch bin, der mit Terminen arbeitet. Ich arbeite nun von einem Ort aus - mit den verschiedensten Produzenten und Musikern. Das macht es effektiver. Generell will ich immer auf einem sehr hohen Niveau arbeiten, da hat es mir Berlin natürlich leichter gemacht, das auch umzusetzen.
Mit KD-Supier hast du bereits zu Zeiten von Unterdrukk Musik zusammengearbeitet, wie kam jedoch der Kontakt zu Raf Camora zu Stande? Immerhin produzierte er den Großteil auf "Monolog" und man könnte fast meinen, dass er sowas wie dein neuer "Hausproduzent" geworden ist.
In erster Linie ist er vor allem erst mal mein Freund. D-Bo, Chakuza und Raf haben damals eines meiner Videos gesehen und meinen Sound gefeiert. Chakuza hat mich daraufhin kontaktiert, um mich auf seinem "City Cobra" Album zu featuren. So kam dann auch der Kontakt zu den anderen zu stande, und vor allem eben zu Raf. Da ich ein sehr produktiver Mensch bin, brauche ich solche Leute wie Raf um mich herum, die genauso sind wie ich. Es war einfach eine logische Konsiquenz, dass sich die kreativen Leute heraus filtern und zusammenarbeiten.
Auf dein Debütalbum musste man einige Jahre warten. Wie fühlt es sich für dich an, nach all den Jahren nun endlich mit "Monolog" an den Start zu gehen?
"Ich gebe mich auf, um ich zu sein" - das ist einer der ganz starken Sätze auf meinem Album und genauso fühlt es sich auch an. Ich musste etwas hinter mir lassen, um endlich aufzublühen. Ich kann den Hörern nur sagen: das Warten hat sich in meinem Fall gelohnt. Ich bin ein Kämpfer und ich werde die Musik, die ich auf "Monolog" gemacht habe, auf jeden Fall etablieren.
Wofür steht der Titel "Monolog"? Hat er eine tiefere Bedeutung?
Ich könnte dir jetzt keinen Album-Titel nennen, der auch nur eine ansatzweise kraftvolle, tiefe Wirkung hätte wie "Monolog" - außer vielleicht Prinz Pis "Rebell Ohne Grund". Mehr kannst du von einem Titel eigentlich nicht verlangen. Schau mal - jeder Mensch auf der Welt führt Monologe! Und auch jeder Mensch hat schon mal gegen irgendetwas gestänkert, und zwar ohne Grund. Solche Titel sind einfach tiefsinnig und dermaßen flächendeckend, mit solchen Worten kann man auch das Interesse einer 40jährigen Anwältin wecken.
Also möchtest du mit dem Album auch Leute abseits der Rap-Szene ansprechen?
Das ist ganz klar auch ein Anliegen für mich. Ich mache Hip Hop aus dem Aspekt heraus, auch anderen Genres zu zeigen und zu beweisen, dass wir ganz klar sehr hohe Kunst machen und sich Hip Hop vor keinem verstecken muss. Ich zum Beispiel könnte auch Songs für Bands aus dem Pop- und Rock-Bereich schreiben, während die meisten Pop- und Rock-Acts vermutlich niemals HipHop machen könnten, verstehst du? Ich finde wir verkaufen uns schon zu lange unter Wert. Ich habe das eben nicht vor.
Das Album ist neben deinen zuletzt veröffentlichten Mixtapes auch der erste offizielle Release, der unter deinem neuen Künstlernamen Marc Reis erscheint. Was genau hatte es nun eigentlich mit den ganzen Namensänderungen von Sprachtot zu Sonnik Boom und letztendlich zu Marc Reis auf sich?
Es ist einfach vorbei. Sprachtot ist Geschichte. Marc Reis trinkt Hennessy. Alles was zählt, ist, dass ich Zukunft habe. Die alten Kamellen sind nicht mehr wichtig. Konzentrieren wir uns auf alles was kommt, auf die Marke "Marc Reis" und vor allem auf die Musik.
Wieso bist du nicht bei dem Namen Sonnik Boom geblieben?
Weil es letztendlich doch noch nicht das Richtige war. So ist das immer oder meistens, wenn man etwas neues entwickeln möchte. Man hat Ideen und verwirft sie wieder, bis man die "Masterrealisierung" vor Augen hat. Mein neuer Künstlername Marc Reis ist für mich persönlich so viel mehr als nur ein Name. Er ist für mich ein Raum mit vielen Türen, durch die ich jederzeit gehen kann, wenn ich möchte. Ich habe mir dadurch selbst eine super Basis geschaffen.
Bist du im Endeffekt glücklich darüber, wie es gekommen ist? Es fühlt sich nämlich so an, als würdest du durch deine neue Labelstruktur, deinen Umzug nach Berlin und eben dem neuen Namen eine Art Neuanfang als Künstler durchmachen.
Naja, glücklich bin ich über andere Dinge. Darüber, dass meine Familie zum größten Teil gut lebt. Darüber, dass mein Cousin seine Schule macht. Solche Dinge machen mich glücklich. Alle musikalischen Faktoren spielen am Ende auch eine Rolle, dass ich zufriedener bin. Aber ich bin hungrig und bis mein Hunger gestillt ist, vergehen mit Sicherheit noch viele Alben und sehr viel gute Musik.
Inwiefern unterscheidet sich denn Marc Reis musikalisch und inhaltlich zu Sprachtot und Sonnik Boom?
Wie gesagt, Marc Reis ist die logische Konsequenz, die es ohne Sprachtot und all die anderen Ideen nicht gegeben hätte.
Man merkt auf jeden Fall, dass der Großteil der Songs auf "Monolog" sehr persönlich ist. War es dir wichtig, den Leuten mit deinem neuen Album und generell mit deiner neuen Musik einen Einblick in den Menschen Marc Reis zu verschaffen?
Ich verschaffe mir durch Musik einen Einblick in mich selbst, und nicht alles was ich da sehe gefällt mir immer. Aber ich stehe dazu, auch zu meinen Fehlern. Mein Album lädt den Hörer dazu ein, ein nicht perfektes Leben mit dem Drang nach Vollkommenheit durch ein Schlüsselloch zu beobachten. Die Menschen sind neugierig, also werden sie einen Blick riskieren.
Auf dem Outro zum Album rappst du unter anderem auch "Doch ihr wisst nun wer ich bin, weil es persönlicher kaum geht". Viele andere Künstler trennen gerne ihre Person und den Künstler. Du scheinst das aber offensichtlich nicht vorzuhaben.
Ich habe eine gesunde Einstellung zum Leben. Ich brauche keine Maske. Mir gefällt vielleicht nicht immer, was ich im Spiegel sehe, dennoch schau ich aufrecht und stolz hinein. Meine Musik lässt sich nicht prostituieren. Du brauchst auch schon einen gewissen Horizont, um ihr folgen zu können. Das macht es ja so interessant und schließt ja auch gleichzeitig aus, dass ich "zufällige" Hörer habe. Die Leute, die meine Musik hören, können aus allen Schichten kommen - Arme und Reiche, Kriminelle oder Studenten. Egal woher, aber es sind auf jeden Fall keine dummen Menschen. Ich habe eine Vision und davor muss ich mich nicht verstecken.
Auch durch den Fakt, dass es bis auf drei Gesangsfeatures nur dich auf "Monolog" zu hören gibt, nimmst du den Hörer auf eine sehr persönliche Reise auf deinem Album mit. Gab es auch andere Gründe, weshalb du komplett auf Rap-Features verzichtet hast?
Ich finde einfach alle Rapper scheiße! [lacht] Aber nein, um es ernsthaft zu beantworten: es gibt keinen Rapper in meinem Umfeld, der auch nur annähernd einen Beitrag dazu leisten könnte, um meine Scheibe persönlicher oder besser zu machen. Und mit diesem Aspekt bin ich nun mal an "Monolog" herangegangen. Ich bin auch eher der Einzelgänger - ich habe genug zu erzählen. Auch die Hooks, die auf meinem Album sind, sind teilweise von mir geschrieben. Ich konnte sie nur nicht so singen, wie ich sie haben wollte. Dass beispielsweise Jonesmann auf dem Album ist, ist für mich sehr wichtig gewesen, weil ich Riesen-Fan von den Chabs war und Frankfurt generell schon jahrelang "Echte Musik" macht. Diese Musik hat mir oft geholfen. Da ist es einfach sehr gut für den Kopf, so eine vertraute Stimme auf dem eigenen Album zu haben.
Da kommt mir spontan der Track "Kannst Du Dich Noch Erinnern?" aus deinem "Warum Noch Ein Mixtape" in den Sinn, auf dem du von deiner Faszination über Konkret Finns "Reim, Rausch, Randale" sprichst, die du ja auch im Intro zu "Monolog" erwähnst. Wäre da nicht ein Feature mit Tone interessant für dich gewesen?
Den Song kennst du? Geil. Also für mich war es erstmal wichtig, dass Tone und Iz diesen Song hören. Das habe ich erreicht. Ich wollte, dass die beiden wissen, dass es da jemanden gibt, der ihre Musik verstanden hat und deren Arbeit Respekt zollt. Mit Tone stand ich zeitweise in Kontakt, aber es kam leider nie zu einem Feature. Um ganz ehrlich zu sein, hätte ich gerne Konkret Finn als Ganzes auf einem Projekt von mir. Mal sehen, ob ich das noch hinbekomme.
Wie lange hast du nun effektiv an "Monolog" gearbeitet? Sind nur aktuelle Tracks darauf vertreten oder sind auch Nummern dabei, die du über die Jahre hinweg für das Album aufgehoben hast?
Lass mich überlegen. [denkt nach] "Kopfhörer" ist schon vor längerem entstanden und auch der Track mit Jonesmann ist glaube ich 2009 aufgenommen worden. Was für mich super wichtig ist, ist der Fakt, dass diese Songs immer noch aktuell sind. Da habe ich das erste mal gemerkt, dass ich keine Songs mehr schreibe, die nur für einen kleinen Moment gut sind. Das war schon eine schöne Sache, so etwas hinzubekommen. Effektiv habe ich über 6 Monate hinweg vereinzelt aufgenommen. Geschrieben habe ich schon ab 2008. Ich bin ja auch da ein Querdenker. Viele meinen ja, es sei effektiv, so viel Schrott wie möglich innerhalb eines Tages zu schreiben, aber ich sehe das nicht mehr so. Natürlich ging man früher ins Studio und wollte alle flashen, indem man einen 16er in 15 Minuten fertig schrieb. Aber das beeindruckt dann am Ende des Tages halt doch niemanden. Erst durch "Monolog" habe ich meine Arbeitsweise gefunden. Daher ist es auch ein Prototyp zuzusagen - mit Ecken und Kanten. Der Anfang von meinem Film.
Im Vorfeld hast du etliche Mixtapes als Appetizzer veröffentlicht, zuletzt das "Pegasus Projekt" und das "Manhattan Projekt", worauf unveröffentlichte Tracks aus den letzten Jahren vertreten waren. Ist es dir schwer gefallen, die ganzen Tracks gratis ins Netz zu stellen? Oder war für dich so oder so klar, dass es diese Songs eh nicht aufs Album geschafft hätten?
Diese beiden Projekte waren eigentlich nicht als Referenz gedacht, sondern eher für die Fans, die seit Anfang an diesen Jungen aus Mannheim begleitet haben. Damit wollte ich Danke sagen. KD-Supier meinte zu mir: "Diggah, mach doch wenigstens ein Free-Download aus den unveröffentlichten Tracks, damit die Leute hören, was du die letzten Jahre gemacht hast." Wäre er nicht gewesen, hätte ich die ganzen Songs wohl einfach gelöscht. Wer auch nur annähernd denkt, dass diese Songs den Status Quo repräsentieren, liegt gewaltig daneben. Für mich überraschend war der große Zuspruch, da sehr viele Leute die Mixtapes gefeiert haben, obwohl ich diese Songs vom heutigen Standpunkt aus eher belächle. Nun, das ist aber gut, denn dann werden sie mein Album ja lieben!
Auf dem Album merkt man, dass deine Songs nicht mehr die komplette Härte wie zu Sprachtot Zeiten versprühen, dafür jedoch musikalischer und melodiöser sind. An vielen Stellen hört man dich sogar singen. War das eine natürliche Entwicklung von dir oder hast du bewusst diese Richtung angesteuert?
Sowohl natürlich als auch bewusst. Ich war zu Sprachtot-Zeiten etwas außer Kontrolle und ich war jemand, der früher Streit gesucht hat und ihn dann auch gefunden hat. Ich hatte eine zeitlang diesen Gangster-Film am laufen. Ich und mein bester Freund hatten mit 14 auch Gaspistolen jeden Tag dabei - völlig wahnsinnig. Wir hatten andere Sorgen als heute, nämlich wie wir Frauen klären oder an Geld kommen. Ich habe viel ausgeteilt und auch viel eingesteckt. Meine Musik bewirkte meistens Positives, doch ich als Mensch war ein Negativ-Magnet. So konnte es aber nicht weitergehen. Ich mag die ruhige Version von mir mehr und ich denke ein paar andere Künstler sind auch ganz froh darüber. Niemand braucht die 100. deutsche Gangster-Rap-Kopie.
Auf dem Titeltrack des Albums singst du "Sie wollten, dass ich scheiter, doch ich lachte, als sie weinten / Sie sahen mich nicht kommen, denn ich kam von allen Seiten / Sie wollten, dass ich scheiter, doch verzweifelten an mir / Denn ich muss frei sein, egal was passiert". Hattest du schon mal in der Vergangenheit deiner Karriere das Gefühl, nicht frei zu sein?
Freiheit ist eine gutgemeinte Einbildung der Fantasie. Menschen, die viel Geld verdienen, bilden sich ein sie seien frei. Alternative linksradikale, die Häuser besetzten, bilden sich ein sie seien frei. Als ich mit 17 Jahren Drogen verkauft habe, bildete ich mir ein ich sei frei. Ich weiß noch nicht genau, was Freiheit wirklich ist, aber ich hoffe, dass ich es noch herausfinde.
Was das Scheitern angeht, musstest du in der Vergangenheit einige Hürden überqueren. Hast du auf Grund dessen je daran gedacht, das Ganze hinzuwerfen?
Klar, aber das sind kurze Monologe, die im Hirn stattfinden. Ich kann gar nicht mehr aufhören. Es liegt mir nicht im Blut aufzugeben. Im Gegensatz zu anderen renn ich ja auch keiner Fremd-Annerkennung hinterher. Man möchte natürlich Respekt, aber ich unterscheide: den Respekt kann ich einfordern, doch Anerkennung verdient man sich und ich bin jemand, der verdienen möchte. Respekt aus Angst oder Heuchelei zu bekommen, ist erniedrigend - für beide Parteien.
Auf dem Track "Marc Reis" sprichst du sehr persönlich über deine Kindheit und Identitätsprobleme zwischen schwarz und weiß. Ist das ein Thema, das dich auch heute noch begleitet?
Natürlich. Es ist sogar noch schlimmer geworden. Jetzt geht es nicht mehr um schwarz und weiß, sondern schon um groß und klein, um hässlich und schön, oder um Facebook vs. MySpace. Rassismus ist der beste Freund von Neid und Neid verkehrt in allen Kreisen der Gesellschaft, egal ob arm oder reich. Nicht mal ein negatives Wort aufgrund der Herkunft ist gerechtfertigt oder menschlich.
|

Wie gehst du denn mit solchen Problemen um? Ist Musik eine gute Art von Therapie für dich? Vielleicht sogar die einzige wirksame?
Es kommt immer darauf an, was für Probleme es sind. Manche Probleme kann man nicht mit Musik regeln, da sie akkut sind. Aber in der Regel verarbeite ich alles irgendwann in einem Song. Es ist schwer zu beschreiben, aber ich glaube wenn ich keine Musik machen würde, wäre ich nur halb der Mensch, der ich bin.
Ein weiterer sehr persönlicher Song ist "Kopfhörer", worauf du über das tragische Schicksal zweier junger Menschen sprichst. Basiert der Song auf wahre Begebenheiten?
Der Song handelt von zwei Schicksalen, die meinen Weg direkt gekreutzt haben. Zwei tragische Schicksale, wenn man bedenkt, dass ich mir damals mit 17 Jahren echt vorstellen konnte, Zuhälter zu werden. Ich hoffe ich habe den Song so umsetzen können, dass sich keiner dafür, was er ist oder was er macht, schämen muss.
Bist du generell ein Künstler, der sich nur von persönlichen Erlebnissen in seinen musikalischen Inhalten beeinflussen lässt oder denkst du dir die eine oder andere Story auch mal selbst aus?
Ich bin zwar ein realistischer Träumer, aber "Monolog" ist frei von Fantasie. Das ist alles echt.
Gab es Momente auf dem Album, wo du dir nicht sicher warst, ob du das so bringen kannst, weil es vielleicht zu persönlich ist? Oder Momente, wo dir die Aufnahme dazu schwergefallen ist?
Ich habe einen Song namens "Großvater" geschrieben, welcher mir persönlich sehr gut tat, aber meinen Großvater in einem sehr bösen Licht dastehen lässt, obwohl er defintiv kein schlechter Mensch war. Von daher muss ich an diesem Song weiterarbeiten, bis ich es schaffe, mit Worten zu beschreiben, was ihn handeln ließ wie er es tat, ohne ihn dabei an die Wand zu stellen. Das habe ich bis jetzt nicht geschafft, deshalb ist der Song auch nicht auf dem Album gelandet. Andererseits habe ich aber wiederum zum Beispiel den Song "Bester Freund" auf meinem Album gelassen, weil nur ich selbst auf diesem Track wie ein Arschloch darstehe und zugebe, Fehler gemacht zu haben. Damit kann ich dann aber auch leben.
Was ist ansonsten bei dir in Zukunft noch geplant? Gibt es neben dem "Monolog"-Album schon andere konkrete Pläne? Vielleicht ein Kollabo-Projekt mit einem anderen Künstler?
Nach der Veröffentlichung von "Monolog" werde ich mich erstmal etwas aus dem Internet und den Plattformen zurückziehen und mich 3 bis 4 Monate auf meine Familie und Freunde konzentrieren. Ich habe in den letzten 2 Jahren viele Menschen ein wenig vernachlässigt. Ich möchte etwas zurückgeben. Ob ich jemals wieder ein komplettes Album mit einem Künstler mache, bezweiflel ich, da es zurzeit niemanden gibt, der in meiner Liga spielt.
Auch nicht mit einem der Kollegen aus deinem engeren Umfeld wie Raf Camora oder Chakuza?
Nein. Ich habe schon zu viel mit Leuten gearbeitet und musste dabei zu viele Kompromisse eingehen. Wenn ich alleine arbeite, wird das Produkt am Ende des Tages erstens veröffentlicht, zweitens genau so wie ich es wollte und drittens somit auch gut.
Was ist eigentlich aus dem Kollabo-Projekt mit Megaloh geworden? Nach eurem "Alles Negertiv"-Album sollte eigentlich noch das "richtige" Kollabo-Album erscheinen.
Ich habe vor kurzem erfahren, dass angeblich irgendein Trottel das "richtige" Album ins Netz gestellt hat. So ist das heutzutage. Was ich scheiße finde. Wir wollten es 2008 rausbringen und waren im Gespräch mit Four Music, aber es hat am Ende des Tages nicht geklappt. Es ist wohl das einzige Album, das ein Klassiker ist, aber nie erschien. Nun ja - jetzt sind wir beide auch nicht mehr so heiß darauf, es zu veröffentlichen, da jeder seine Solo-Machenschaften verfolgt.
Kann man denn generell in Zukunft noch eine Zusammenarbeit von euch beiden erwarten? Megaloh hat inzwischen auch ein komplett neues Umfeld und arbeitet nicht mehr mit seinem ehemaligen Partner KD-Supier zusammen, der jedoch nach wie vor mit dir zusammenarbeitet.
Ich habe mich mit ihm vor ein paar Wochen auf einen Kaffee getroffen und ihm alles Gute für die Zukunft gewünscht. Er ist meiner Meinung mit mir einer der wenigen Rapper, die aus dem ganzen HipHop-Ding noch mal einen Schritt rausgehen könnten, um mehr Leute anzusprechen. Ob wir wieder mal auf einen Song zusammenlanden, ist eine Frage der Zeit, denn es geht jetzt erst mal jedem um seinen eigenen Arsch. Und mit wem er arbeitet und mit wem nicht, entscheidet er schließlich selbst. Ich glaube nicht, dass es irgendwo böses Blut gibt. KD-Supier ist einer meiner Freunde hier in Berlin, wir waren auf Tour mit Harris und erhat auf meinem Album auch den Song "Aufwiedersehen 3" komplett produziert.
Danke, das war's dann auch schon. Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Glück und Erfolg in deiner weiteren Karriere. Gibt es noch irgendwelche letzten Worte?
Wer mein Album illegal runterlädt, möchte sich bitte eine geladene Waffe nehmen, sie an seine Schlefe halten und abdrücken. Denn das ist auch genau das, was derjenige mit den Künstlern macht, deren Musik er angeblich liebt. Auch das Runterstürzen von sehr hohen Brücken ist bei solch einem unmenschlichen Vergehen eine angebrachte Maßnahme, sich selbst einigermaßen würdevoll aus dem Leben zu entfernen. Naja - man merkt wohl, dass ich schon extremen Hass auf diese respektlosen Menschen habe. Ansonsten möchte ich dir aber für das doch interessante und ausführliche Interview danken und wünsche eurer Plattform alles Gute. Es würde mich freuen, wenn Magazine und Online-Portale generell mehr über deutsche Musik berichten, damit auch hier so etwas wie eine Kultur expandieren kann. Denn ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass es irgendjemanden wirklich interessiert, was ein Ludacris gerado so macht. Und an alldiejenigen, die mich nicht mögen: Ihr könnt ruhig auf YouTube oder in einem der gängigen HipHop-Foren einfach schlecht über mich schreiben, am besten mit einem Wort wie "Hurensohn" - das soll richtig helfen und macht einen seriösen, stabilen Eindruck. Ciao Jungs!
Interview von Daniel Kececi aka Keci
|
|