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Konzertbericht » Busta Rhymes

Timing ist alles oder: Busta Rhymes live in Braunschweig

Busta Rhymes Dass dieses Konzert eines der angenehmsten war, ist wohl zu großen Teilen der Tatsache zu verdanken, dass es am Abend vor Karfreitag (Feiertag) stattfand und somit im Vorhinein geklärt werden konnte, dass um Mitternacht Schicht im Schacht ist. Diese Deadline ermöglichte das grobe Einschätzen der Stage-Time der etlichen Vor-Acts und den finalen runden 90 Minuten der Hauptattraktion a.k.a. Busta Rhymes.Die Theorie: Einlass um 19 Uhr, ellenlanges Vorprogramm. Die Praxis: Ankunft 20:30 Uhr, 45 Parkplatzaufenthalt mit "Kontrastmusik" zum aufwärmen ("WC - Ghetto Heisman") und dann zum Eingang um ca. 21.15 pünktlich zum Ende von MC Renes Bühnenzeit.

Der Club war schon voll, die Masse gut drauf, der Einlass über Gästeliste (mein erstes Mal als Pressegast bei einem Konzert) klappt reibungslos. Kurze Irritation um den Unterschied zwischen Presse und VIP, dann ab nach unten in die Menge bzw. daneben. Man wühlt sich durch verschiedene Körper in Richtung Fotograben und pünktlich zum Auftakt der Spezializtz ist auch schon ein gemütliches Plätzchen gefunden. Dean Dawson und Harris kündigten gleich an, dass sie ein paar Songs aus ihrem kommenden Album debütieren werden und legten auch gleich voll los. Die zwei GBZoholika gaben auch Power als wären alle nur für sie gekommen – machte natürlich einen guten Eindruck. Das einzige Problem war nur der furchtbar abgemischte Sound: Man verstand kein Wort. Egal, die Beats gingen ab – Texte kann man sich bei Bedarf auf Platte anhören. Nach ca. 15 Minuten verschwanden die beiden auch schon wieder und meinem Blitzlichtgeschütz-Kameraden und mir wurde mitgeteilt, dass wir nach Bustas ersten zwei Songs aus dem Graben rausmüssen. Schade, aber was will man tun.

DJ Scratch kam als erster auf die Bühne und hat uns ein bisschen eingeheizt mit Tracks vom Flipmode Mixtape, u.a. einem Song, den Busta selbst produzierte und den Rap Fan weit jenseits der Religionsmündigkeit vielleicht an eine Äußerung von selbigen erinnerte: "Am liebsten mag ich diesen dreckigen MPC sound", sagte Mr. Smith vor fünf bis sieben Jahren. Und wow, hat er da eine dreckige Planke hingelegt, die wohl auch stark den Einfluss seines Langzeit-Beatschmieds und Kumpel J Dilla widerspiegelt. Scratch fragte nach üblicher Formel: ob die Crowd denn ready sei für Busta Rhymes, welche ihre Antwort gewohnt mehrfach wiederholen musste. Dann endlich legte Scratch düstere, pompöse, unheil verkündende und sehr bekannte Streicher begleitet von Blitzgewitter auf. Das Ganze ging glatt in den "Ante Up Remix" Beat über und Spliff Star trat gemütlich auf die Bühne und die Leute drehten am Rad. Unmittelbar vor dem Verse sprang dann auch Busta hinter der rechten Box hervor und ging mit Spliff in die gut abgestimmte Choreographie über. Das Publikum war nicht mehr zu halten. Das war der BIG BANG der Show!

Busta Rhymes Um diese geballte Energie zu verarbeiten gab es erstmal eine Minute Verschnaufpause, in der Busta erstmal freundlich Hallo sagte, wie sich das auf einem Rap Konzert halt so gehört: "Where you at? Put your motherfucking hands up!". Als dieser Aufforderung alle folgten ging es auch direkt mit "Make It Clap" weiter. Die Show war sehr übersichtlich aufgeteilt in einen Teil zum Aufwärmen, dem Frauenteil und dem Männerteil, der ganz sanft in den Bangerteil überging. Die Ladies bekamen ihre Ladung "Hey, das kenn ich"-Lieder wie "I Know What You Want", "Don’t Cha" oder "I Love My Chick" und waren happy. Busta hat sich das gut überlegt, denn jetzt waren die nervigen Songs, die man aber spielen muss, alle aus dem Weg und es konnte endlich zum richtigen Busta Rhymes Konzert übergehen - "Woo Haa – Got U All In Check!" - Die Menge spielte geradezu verrückt als der Beat des eben genannten Tracks einsetzte. "We’re gonna go back even further than this", sagte Busta nach dieser Reise in die musikalische Klapsmühle und der Beat des A Tribe Called Quest & Leaders Of The New School Klassikers "Scenario" setzte ein. Ganz nach Rezept der guten alten Zeit fingen auch alle an zu hüpfen – hammer Atmospähre! Lediglich beim J Dilla Tribut war etwas die Luft raus, weil wohl von den deutschen Fans niemand mit dem Song oder dem viel zu früh verstorbenen Ausnahmeproduzent generell vertraut war. Ich muss gestehen: Ich kannte den Track auch nicht.

Es folgten ein paar neuere Songs wie "In The Ghetto" von "The Big Bang" und eine Blunt-Break in der Busta seine deutschen Fans fleißig dazu aufforderte ihren Joint zu rauchen und sich frei zu fühlen: "If you with me … holla". Damn, der Song "Holla" von "Genesis" / "The Wash OST" auf dem Dr. Dre Beat kam live viel, viel besser rüber als auf Platte. Besonders hier stellte Busta seine Berechtigung auf den Thron des besten Live MCs außer Frage – besonders auch im Bezug auf die Harmonie mit DJ Scratch und Mic-Partner Spliff Star. Scratch hat die Snares von Holla gemutet und so flogen Bustas Rhymes (no pun intended) nur so über die Organ-Vibratoren a.k.a. Kicks hinweg. Für die Hook hat sich Busta des Truth Hurts Refrains entledigt und ihn einfach selbst gesungen mit einer Gestik à la Opernsänger, die auch nur er auf die Reihe bekommt. Fantastisch! Da er aber wohl dachte, dass viele noch nicht aufgeraucht haben, schmiss er gleich noch "Get High Tonight" von seinem zweiten Solo Album hinterher.

Nach soviel Chillout musste natürlich mal wieder die Bude brennen. Gesagt, getan. "Put Your Hands Where My Eyes Could See" gefolgt von einer Runde "Flipmode Squad Exercises" in form von Reggae-artigen Hüpfeinlagen zu "Break Ya Neck", die satte dreimal angefangen wurde. Nach "What It Is", "Fire It Up", "Cocaina" und "Touch It" setzte sich Busta auf einen der Monitore zu Spliff Star und meinte, er wolle nicht, dass sie vergessen worüber sie vorher Backstage gesprochen haben. Plötzlich setzten wohlbekannte Strings ein und die Worte von Busta folgten: "Yo, as a shorty playing in the front yard of the crib / Fell down, and I bumped my head / Somebody helped me up and asked me if I bumped my head / I said "Yeah" / So then they said "Oh so that mean we gon, you gon switch it on em'?" /I said "Yeah, Flipmode, Flipmode is the greatest" / Knowing as a shorty, I was always told / That if I ain't gon' be part of the greatest / I gotta be the greatest myself." Und alle drehten ein weiteres Mal ab zu "Gimme Some More" gefolgt von "Pass The Courvoisier Part 2" und dann war auch schon alles vorbei, Busta bedankte sich, sagte er werde auf jeden Fall wiederkommen! Während er von der Bühne ging, lief dann noch sein aktueller Song "I’m Just Gettin’ Warm" mit dem LL Cool J Sample.

Die Show im Gesamtbild war der Hammer. Der Sound war gut abgemischt, weit besser als bei den Voracts, die Choreographie und Backup Koordination von Busa Bus und Spliff Star waren perfekt abgestimmt, DJ Scratch wurde an den Turntables gekonnt einbezogen und Busta lieferte selbst pure Energie. Die Songauswahl reichte von den übelsten Chartschnulzen für die Girls bis hin zu den krassesten Bangern der alten Tage. Besonders anzumerken wäre dann noch, dass sich Spliff und Scratch nicht für Autogramme und Fotos zu schade waren und sich an den Merchandise Stand gesellt haben um auch noch das ein oder andere Girl abzuschleppen (DJ Scratch hat recht guten Geschmack bewiesen, wie ich aus nächster Nähe beurteilen konnte). Unterm Strich kann ich einfach nur betonen, dass sich Busta Rhymes live auf jeden Fall lohnt und nur zu empfehlen ist! Einfach nur geile Show.

Geschrieben von Dennis Fuchs aka D-e-f-
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