Steve Anorizz [m]
HHJ Team
   

Dabei seit: 07.03.2009
Beiträge: 502
Herkunft: Salzburg
Fav. Artist: Tua, F.R., Weekend
Fav. Crew: Die Orsons
Fav. Producer: Whizz Vienna, Peet
Fav. CD: Stille (Tua)
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Cover:

Release-Date:
11. Februar 2010
Label:
Chimperator Productions
Bestellen:
Chimperator Shop
Wertung: (4.5 Mics von 5)
    
Tracklist:
01. Es Ist Ok
02. Meine Lieblingslieder
03. Wenn Man Zur Sonne Geht
04. Cernij Angel
05. Armes, Reiches Land
06. 10 Jahre Musik
07. Hi, Speed
08. Traum
09. Stille
10. Dieser Junge
11. Nicht Mehr Gewinnen
12. Totentanz
13. Sie
14. Überholspur
15. 30 Grad Wanderung
16. Ich Schrieb Über Dich
17. Kampfeinheit
Review:
Tua gilt als einer der talentiertesten "neuen" MCs Deutschlands und steht für kreative, düstere Produktionen und durchdachte Texte und Reimtechnik. Zwischen mehr oder weniger aktuellen Releases wie dem Orsons-Album und dem Chimperator-Sampler veröffentlichte die Rap-Hoffnung im Frühjahr dieses Jahres "Stille". Was ist Stille? Das Booklet sagt dazu: "Stille ist kein neues Album, sondern eine Neubearbeitung- und Auflage von den bereits veröffentlichten Werken 'Inzwischen EP' und 'Grau EP' sowie anderweitig erschienenen und bisher unveröffentlichten Tracks." Tua gibt seinen Fans Einblick in seine musikalische Entwicklung bis zu "Grau" (2009). Wir nehmen dankend an und werfen einen Blick darauf:
"Stille" erinnert an eine andere Version von "Grau", nur eher in Richtung schwarz. Auf "Es Ist Ok" wird auf einem der besten düsteren Beats (das Wort "düster" wird wohl noch öfter vorkommen), die ich je hören durfte, eindrucksvoll der "damalige Tua" präsentiert. Abgefuckte Gedanken eines Bumsgesichtes ohne Perspektiven. Ganz normaler Wahnsinn. In dieser düsteren (hier, schon wieder!) Tonart geht es mit "Meine Lieblingslieder" weiter, welches sich eben genau diesen widmet. Keine namentliche Aufzählung, eher eine Rechtfertigung, oder der verzweifelte Versuch dazu. Schwer zu beschreiben. Ähnliches Thema auf "10 Jahre Musik" – hier eben dieser und der Liebe dazu gehuldigt. Was aber keineswegs fröhlich klingt, denn der authentische Sound zieht sich wie ein roter Faden durch "Stille".
"Cernij Angel" ist der kleine Bruder von "Bezorientatsja" auf "Grau" – eine Produktion ohne Text, und doch irgendwie mit Handlung. Welche diese ist, muss man jedoch für sich selbst herausfinden, jedenfalls ein unglaublich gelungener Song, trotz Tuas lyrischer Abwesenheit. Hier kommt der künstlerische Teil des Produzenten richtig zur Geltung. Wie auch auf "Hi, Speed" und "Traum". Eine Musikart, die man fast schon als surreal bezeichnen könnte, die man sonst noch nie gehört hat – absolut top. Ein perfekter Mix aus Text und Textpausen mit Musik im Hintergrund. Der Titeltrack "Stille" toppt das Ganze dann noch, der Sprechgesang begrenzt sich auf ein Minimum, ebenso wie die Musik – und doch passt es perfekt ins Konzept. Man merkt, das Werk ist schwer mit Worten zu erfassen, da es nicht nur Musik, sondern auch irgendwie Kunst ist.
Nicht nur künstlerisch, sondern auch technisch ist "Stille" ein Meisterwerk. Auf "Wenn Man Zur Sonne Geht" wird Doubletime per excellence betrieben, inklusive Reimketten, die Ihresgleichen suchen. Ebenfalls lyrisch top und gesellschaftskritisch geht es auf "Armes, Reiches Land" sowie auf "Totentanz" zu. Letzterer ist ein unveröffentlicher Track, dessen unübertroffen zynische und trotzdem fast schon tanzbare (!) Hook sogar einem Künstler wie Tua ermöglicht, andere zum Lachen zu bringen. Somit fällt dieser Song als einziger aus dem düsteren Konzept, ohne jedoch störend aufzufallen.
Gegen Ende flaut "Stille" dann ein wenig ab. Zwischen Tour-Erzählungen ("Überholspur") und Motivationsparolen ("Ich Schrieb Über Dich") sowie einem raptechnisch sicher lang vergangenem Track, auf dem Tua noch nicht ganz diese Egalität ausstrahlt ("30 Grad Wanderung") vermisst man ein Meisterwerk zum Abschluss. Dieser ist mit "Kampfeinheit" natürlich, wie könnte es auch anders sein, einwandfrei produziert und … ach ja, düster! Kein großes Manko, denn die Tracks hören sich dadurch nicht weniger gut an.
Ein Resümee zu "Stille" fällt relativ leicht: ein Meisterwerk. Sicher eines der besten Releases, die Deutschrap dieses Jahr hervorbringt, ob produktionstechnisch, textlich, atmosphärisch oder künstlerisch. "Stille" hat alles, was eine Rap-Platte braucht, um richtig gut zu sein, so wie auch Tua das hat, was ein Top-MC braucht. Eine Wahnsinns-Empfehlung für jeden Rap-Fan und natürlich auch ein Muss für jeden, dem "Grau" gefallen hat.
Anspieltipps:
Es Ist Ok
Meine Lieblingslieder
Wenn Man Zur Sonne Geht
Nicht Mehr Gewinnen
Totentanz
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